Nach etlichen Anrufen, Shop-Besuchen und der fiesen Ungeduld auf mehreren Wartelisten hat es am 9. Juli endlich geklappt: Ich konnte das iPhone 4 in Empfang nehmen. Für mich als iPhone-3G-Besitzer war nach zwei Jahren klar: Ich brauche das Smartphone-Upgrade. Während ich dem 3GS ohne Reue den Rücken zukehren konnte, war das iPhone 4 eine Notwendigkeit; gerade für Anwendungen wie der Navigation mit Navigon war das 3G einfach zu schwach unter der Haube. Der Vertrag ließ sich passend verlängern und so entschied ich mich für die 32-Gigabyte-Version des Apple-Telefons.


Die Haptik
Ich habe viele Stimmen gehört die das iPhone 4 verweigern, weil es einfach nicht so gut in der Hand liegen würde, wie seine Vorgängermodelle. Nach dem Öffnen der Verpackung und dem Entfernen der Schutzfolie kann ich sagen: es fühlt sich einfach anders an. Mehr Kanten, weniger Rundungen, kein konvexer Plastikrücken mehr. Dennoch für mich nicht zwingend schlechter. Das iPhone 4 sieht in Schwarz mit seinem silbernen Rand einfach männlicher aus – und dann darf es auch gerne mal seine Ecken und Kanten besitzen.


Kratzeranfälligkeit
Die Verarbeitung wirkt ein ganzes Stück edler und stabiler, vergleiche ich es mit meinem weißen iPhone 3G. Steckt man das iPhone 4 in die Hosentasche, kann man durch bloßes Ertasten nicht mehr erkennen, welche Seite nun die Vorder- und welche die Rückseite ist. Dass dem iPhone 4 in der Tiefe ein paar Zentimeter fehlen, bemerkt man ohne den direkten Vergleich eher nicht, dafür fällt beim Blick aufs Display sofort auf, dass es durch den fehlenden Silberrand an Breite verloren hat. Als 3G-Nutzer bemerkt man außerdem, dass das Display weniger Anfällig für Fingerabdrücke ist. Dies konnte ich jedoch auch beim 3GS bereits feststellen. Der Touchscreen lässt sich dadurch geschmeidiger bedienen.
Vor zwei Jahren habe ich mit bewusst für das weiße iPhone 3G entschieden. Bei Besitzern des schwarzen Modells konnte ich vorab schon feststellen, dass sich auf der dunklen Rückseite schnell Fingerabdrücke und haarfeine Kratzer bemerkbar machten. Beim iPhone 4 fiel meine Entscheidung jedoch auf Schwarz (eine andere Wahl lässt Apple einem derzeit ja ohnehin nicht). Ich sollte nicht enttäuscht werden: Die Glasrückseite ist ebenso verarbeitet wie die Front, Fingerabdrücke sind geringfügig. Nehme ich das Display meines 3G als Grundlage, dürfte das iPhone 4 vorne wie hinten lange kratzerfrei bleiben. Nach zwei Jahren kann ich nicht einen einzigen Haarriss feststellen – trotz seines stetigen Aufenthalts in der Hosentasche ohne Hülle oder Schutzfolie.
Die nötige Schärfe
Das Retina-Display ist großartig. Diese Wahrnehmung wird sich bei iPhone-Neulingen sicherlich in Grenzen halten, doch als ehemaliger 3G-Nutzer ist es eine wahre Augenweide. Mit der vierfachen Displayauflösung erkennt man mit bloßem Auge keine Pixel mehr. Farben, App-Icons und Schriften sind gestochen scharf. Deutlich wird der Unterschied, sobald mein altes iPhone 2G oder das 3G daneben liegen oder man Apps unter die Lupe nimmt, die noch nicht auf das Retina-Display ausgelegt sind.



Der A4-Prozessor (ebenfalls im iPad vorzufinden) macht aus dem iPhone eine Maschine. Apps starten binnen Sekunden und alles erscheint nun so flüssig, wie ich es mir beim 3G stets gewünscht habe. Man spürt deutlich: das iOS 4 wurde für das iPhone 4 geschaffen: Multitasking ist für mich als iPhone-Nutzer Neuland, doch nach wenigen Tagen hat man den Prozess des Doppelklickens auf den Homescreen-Button verinnerlicht und möchte ihn nicht mehr missen.

Bitte lächeln
Besonders hervorzuheben ist die neue Kamera. Halt: Eigentlich müsste es heißen, hervorzuheben sind die beiden neuen Kameras. Das iPhone 4 verfügt über eine verbesserte Kamera auf der Rückseite, die nun 5 Megapixel auflöst und mit digitalem Zoom ausgerüstet wurde. Zudem lässt sich ein LED-Blitzlicht hinzu schalten. Neu ist die Kamera auf der Vorderseite. Zwar dient die VGA-Kamera in ihrer Hauptsache für den Videochat per FaceTime (diese Funktion konnte ich bisher noch nicht testen) doch lassen sich bei guten Lichtverhältnissen auch ansprechende Schnappschüsse erzielen.

Wie mit seinem Vorgänger, dem iPhone 3GS, können auch mit dem iPhone 4 Videoaufnahmen angefertigt werden. Dabei produziert die Kamera 720p-HD-Videos in wirklich guter Qualität. Mit der iMovie-App fürs iPhone (3,99 Euro im App Store) lassen sich die Aufnahmen dann ideal verarbeiten. Auch hier lässt sich die Geschwindigkeit hervorheben: im Test habe ich mich mit einem Video von fünf Minuten Länge vergnügt, Fotos direkt vom iPhone 4 eingebunden, Musik aus der iPod-Bibliothek eingefügt sowie Übergangseffekte integriert. Ein Text-/Grafikvorspann lässt sich aus verschiedenen Vorlagen wählen und anhängen.
iMovie stürzte bei diesem Versuch kein einziges Mal ab und lief erstaunlich flüssig. Renderzeiten existieren schlicht und ergreifend nicht. Das fertige Projekt kann dann in die Fotodatenbank exportiert oder direkt auf YouTube veröffentlich werden. Hier kann man jedoch nicht mit voller HD-Qualität publizieren; das Video wird für YouTube optimiert und komprimiert hochgeladen. Dennoch kann sich die Qualität auf dem Videoportal noch sehen lassen. Wünschenwert wäre hier, dass Apple einem die Wahl lässt, in welcher Auflösung (je nach Netzanbindung) man sein filmerisches Werk uploaden möchte. Ähnlich verhält es sich bereits bei geschossenen Fotos, die man per E-Mail versenden will. Hier lässt sich bestimmen, ob das Bild nun in Originalgröße, groß, mittel oder klein versendet werden soll.
Etwas umständlich gestaltet sich auch noch das Importieren eines 720p-Videos auf den heimischen Rechner. Via iTunes gibt es diese Option noch nicht. Bei einem Mac muss man auf das bereits vorinstallierte Programm „Digitale Bilder“ zurückgreifen und kann das das Rohmaterial auf den Rechner ziehen.
Akku
Das tägliche Aufsuchen der Ladestation hat ein Ende. Fast schon automatisiert habe ich das iPhone 3G nach Feierabend in sein Dock verfrachtet um neue Energie zu tanken. Natürlich lassen sich Angaben zur Akkulaufzeit immer schwierig bemessen. Es kommt schlicht und ergreifend auf den Einsatz an. Da ich das iPhone 4 neu besitze und mich derzeit verdammt oft beispielsweise mit iMovie, HD-Videos oder der Kamera beschäftige, kann ich nur einen verfälschten Richtwert liefern. Aber: Mindestens 24 Stunden hat bisher jede Akkuladung durchgehalten. Verzichtet man auf Push-Nachrichten, automatisierten E-Mail-Abruf und 3G-Empfang, lässt sich inzwischen mit Sicherheit ein Wochenende mit dem iPhone 4 verbringen, ohne es auf die Ladestation zu setzen. Insgesamt: Deutliche Verbesserung zum 3G.


„So nicht halten!“
Ja, seit Bekanntwerden der Empfangsschwierigkeiten beim iPhone 4 muss man sich als dessen Besitzer schon das ein oder andere anhören. Spott und Hohn der Neider sind einem sicher. Spaß beiseite – natürlich kann auch ich bestätigen, dass der Empfang bei entsprechender Berührung der Antenne, die im Rahmen verarbeitet ist, zurück geht. Da ich aber – völlig verstrahlt – zirka 50 Meter Luftlinie zum nächsten Sendemast wohne, machen sich die Empfangsprobleme in der Wohnung nicht bemerkbar. Überhaupt bin ich der Meinung, dass es einer Vielzahl von iPhone-Nutzern gar nicht aufgefallen wäre, würde man nicht in jeder Zeitung und auf jedem Online-Portal davon lesen. Ich will Apple als Konzern damit keineswegs in Schutz nehmen, aber nach drei Wochen intensivem Test kann ich sagen: Ich hatte bisher noch keinerlei gravierende Probleme. Zwar stehen oben links mal nur zwei statt vier Balken, zu Gesprächsabbrüchen während Telefonaten oder zu „Kein Netz“-Situationen kam es bisher nicht. Diese Beobachtungen konnte ich sowohl in der Stadt als auch bei mehreren Fahrten über Land machen.

Ärgerlich könnte es für alle werden, die von Haus aus in einem Funkloch wohnen und der Netzempfang zum Lotteriespiel wird. Hier will ich nicht ausschließen, dass aus zwei möglicherweise null Empfangsbalken werden.
In meinen Augen haben die Empfangsprobleme mit zahlreichen Einwirkungen zu tun, was YouTube-Videos aus aller Welt beweisen. In einem Video schwindet der Empfang trotz „Todesgriff“ kein Stück, im nächsten legt ein Mann im amerikanischen AT&T-Netz nur einen Finger an das Gerät und schon verschwindet das Netz komplett. Eine Faustregel gibt es hier nicht, vielleicht sind die Probleme sogar von Gerät zu Gerät unterschiedlich und ich hatte einfach Glück.

Fazit
Für mich war von Anfang an klar, dass ich vom 3G auf die neueste Apple-Smartphone-Generation upgraden werde. Was letztendlich beim iPhone 4 herausgekommen ist, kann ich dabei nur begrüßen. Das neue Design spricht mich sehr an, es wirkt edler und kraftvoller als der Plastikrücken der Vorgänger 3G und 3GS. Lediglich dem 2G-Design weine ich noch etwas nach. Insgesamt bin ich nun seit Mai 2008 iPhone-Besitzer. Das iPhone 4 setzt jedoch neue Maßstäbe und beinhaltet viele Kleinigkeiten, die man sich vielleicht schon eine Generation vorher gewünscht hätte. Meine Ansprüche konnte es vollends erfüllen und ich bereue den Kauf keine Sekunde.

Wer mit dem Einstieg in die iPhone-Welt liebäugelt, dem kann ich nur empfehlen: Zugreifen! (insofern verfügbar; Lieferschwierigkeiten möglich ;) ) Gleiches gilt für 2G- oder 3G-Nutzer. Ein Upgrade lohnt sehr, außer man ist Freund des alten Designkonzepts. Wer jedoch erst letztes Jahr sein 3GS erworben hat, der sollte sich gut überlegen mit der Anytime-Upgrade-Option der Telekom so viel Geld auf den Tisch zu legen. Effektiv und runtergebrochen gesehen erwartet ihn dann „nur“ eine bessere Kamera mit Blitz und die Möglichkeit, HD-Videos aufzuzeichnen.
Doch einen echten Apple-Fan kann man ohnehin nicht davon abbringen, sich das iPhone 4 zuzulegen, wenn man es wirklich will.
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