iPad 2

Liebes iPad 2, wir müssen reden…

Eingetragen auf in Leben, Zweinull

Liebes iPad 2,

am vergangenen Freitag habe ich mir für Dich fünf Stunden lang die Beine vor dem Frankfurter Apple Store in den Bauch gestanden. Das Gefühl, als ich Dich um kurz vor 19 Uhr endlich in Händen halten konnte, entschädigte jedoch schnell. Nun habe ich die letzten vier Tage intensiv mit Dir verbracht. Zeit, um einiges klarzustellen.

Da Du mein erstes iPad bist, kann ich Dich nicht mit Deinen Vorgängerinnen vergleichen. Dennoch bist Du überaus griffig und hast sichtbar abgespeckt, was mich sogar dazu bringt, Dich längere Zeit auf Händen zu tragen. Verglichen mit Deinem kleinen Bruder, dem iPhone 4, legst Du eine erstaunliche Geschwindigkeit an den Tag – Respekt! Mit Dir gemeinsam durch die weiten Welten des Internet zu surfen, ist selbst mit meiner langsamen DSL-Leitung ein Genuss.

Dein Touchscreen bietet viel Platz zum Tippen von E-Mails oder um kurze Tweets via Twitter in die Welt auszusenden. Und meiner „Angry Birds“-Sucht kann ich durch Dein – im Vergleich zum iPhone – größeres Display noch viel besser nachkommen. Überhaupt ist es so, als ob wir uns seit Jahren kennen würden. Das mag an deinem Betriebssystem liegen, mit dem ich nun schon seit Frühjahr 2008 eine gute Beziehung führe.

Abends mit Dir auf dem Sofa vor dem Fernseher zu liegen und die RSS-Feeds zu erkunden, bereitet mir nach diesen paar Tagen ebenso viel Freude, wie Dich mit ins Bett zu nehmen, um schon am späten Abend die neuesten ePaper-Ausgaben meiner Tageszeitungen zu studieren. Und erreicht mich eine E-Mail, so lässt sich diese mit wenigen zärtlichen Fingertipsern mal eben schnell beantworten. Dein Akku spielt da locker mit und das – zugegeben –, obwohl ich gerade in den ersten Tagen verdammt oft an Dir rumspiele.

Aber, liebes iPad 2, nicht alles an Dir ist so, wie ich es mir vorgestellt habe. Zwar lässt Du mich mit anderen Nutzern des Dienstes FaceTime wunderbar videotelefonieren, aber ansonsten sind Deine beiden Kameras wirklich nicht zu gebrauchen. Insbesondere die Kamera auf Deiner überaus hübschen Rückseite ist misslungen und bietet nicht im Ansatz das, was ich von meinem iPhone 4 gewöhnt bin. Kein LED-Blitz, verwaschene Aufnahmen (ich schätze, Du begnügst Dich hier mit maximal zwei Megapixeln?) und wenn ich mit Dir als Videokamera vorm Gesicht rumrennen würde, käme ich mir irgendwie blöd vor. Gut, ich habe natürlich auch mit der Spaß-Applikation Photo Booth gespielt und mich und meine Mitmenschen schon in alle möglichen Richtungen verzerrt – aber auf Dauer überzeugt mich das nicht.

Ein edles Teil wie Dich muss man schützen, um Staubpartikel oder Schlimmeres von Dir fern zu halten. Doch so clever Dein Smart Cover, das man optional zu Dir erwerben kann, auch ist – effektiv ist es nicht. In schwarzem Leder macht es wirklich verdammt viel daher, wenn Du auf Deinem Alu-Rücken liegst und es Dein Display schützt. Und auch das Aufkanten, um Dich auf den Schreibtisch zu legen und drauf los zu tippen oder das Aufrichten zum Betrachten von Videos lässt nichts Deiner Attraktivität einbüßen. Der große Nachteil ist der böse Schmutz, der sich so auf der Microfaser-Innenseite sammelt und Dich beim nächsten Zuklappen doch aufsucht. Unter uns: Die Streifen, die das Smart Cover auf Deinem Display hinterlässt, sind auch alles andere als sexy. Und was ist eigentlich mit Deinem Rücken? Zerkratzt wird er nach nicht allzu langer Zeit und ohne zusätzliche Tasche aussehen.

Doch der für mich größte Nachteil an Dir, liebes iPad 2: Ich vernachlässige mein Smartphone. Bisher erledigte ich, wenn ich nicht gerade am Notebook saß, sämtliches Surfen, E-Mailen oder Twittern über das iPhone. So bemerkte ich erst nach zwei Tagen, wie wenig ich es nur noch in Händen hielt und war zunächst erstaunt über den länger durchhaltenden Akku.

Ich muss fast so weit gehen und sagen, dass ich das iPhone vermisse. Freilich, es kann mir das Internet oder elektronische Zeitungsausgaben nicht in einer solchen Größe bieten, wie Du. Aber vielleicht reicht es mir dennoch aus und macht Dich nur zu einem netten technischen Spielzeug.

Ob ich gut über Dich reden werde, wenn mich jemand nach uns fragt? Ja. Ob ich Dich empfehlen werde? Nicht allen. Wer sich von Deiner Vorgängerin bereits hat einlullen lassen und der Videotelefonie keine große Bedeutung schenkt, dem kann ich getrost von Deiner minimalen Designverbesserung abraten. Sollte man, wie ich, vor der Tablet-Erstanschaffung stehen, dann kann man zugreifen. Wie man Dich benutzt, bleibt einem ja selbst überlassen.

Für mich wirst Du kein Notebook- und auch kein iPhone-Ersatz. Auf der Arbeit oder auf Reisen bist Du mir immer noch zu unhandlich. Doch um mich zu Hause mit Dir auf einen Surftripp zu begeben, Nachrichtenportale zu durchforsten oder eBooks zu lesen – ja, dazu bin ich bereit. Nachträglich glaube ich übrigens, dass Du mir mit 16 Gigabyte Speicher genügt hättest, denn meine Musik werde ich wohl eher nicht über Dich anhören. Dafür war die Entscheidung für 3G die Richtige. Mein Provider macht es mir mit einer Multi-SIM-Karte nämlich recht einfach, gegen eine einmalige Kartengebühr von 30 Euro über meinen bestehenden iPhone-Vertrag auch mal ohne WLAN mit Dir zu spielen. Sonst machst Du außer Haus nämlich gar keinen Spaß.

Hochachtungsvoll,
Dein Nutzer

Auch veröffentlicht auf newsecho.de.

Markiert , , , , ,

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>