Steve, iRemember you

Nachruf zum Tod von Steve Jobs veröffentlicht am 6. Oktober 2011 auf newsecho.de

Apple-Logo mit Steve Jobs' Konterfei


Der Tod von Apple-Mitbegründer Steve Jobs erschüttert nicht nur die IT-Branche. Weltweit nehmen Fans der Marke Anteil, legen Blumen vor Apple Stores nieder. Mit ihm hat sich ein Macher, Visionär und Revolutionär verabschiedet. Der Versuch eines persönlichen Nachrufs.

Der ehemalige Apple-Chef Steve Jobs ist im Alter von 56 Jahren verstorben und rund um den Globus verleihen Anhänger seiner Produkte ihrer Trauer darüber Ausdruck. Auch ich muss zugeben, dass mich die Nachricht über seinen Tod in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag traurig gestimmt hat. Aber wieso eigentlich? Immerhin kenne ich Steve Jobs überhaupt nicht, weiß nicht, was für eine Sorte Mensch er war, wie er mit seinen Mitarbeitern umging oder wie er den großen Apple-Konzern, der durch ihn zur erfolgreichen Marke wurde, führte. Man sagt ihm auf diesem Gebiet nach, er sei ein durchaus schwieriger Zeitgenosse gewesen.

Dennoch ist er irgendwie da, der Glaube, diesen Steve Jobs gut gekannt zu haben. In seiner blauen Jeanshose, den Turnschuhen und dem schwarzen Rollkragenpullover, gelang es ihm tatsächlich, mir während seinen legendären Produktpräsentationen das Gefühl zu vermitteln, ein wichtiger Teil dieses ganzen Brimboriums zu sein. Er schaffte es wie kein anderer, aufzuzeigen, wofür man Produkte wie iPod, iPhone oder iPad im Alltag gebrauchen kann – aber, zugegeben, oft nicht unbedingt gebrauchen muss.

Es war eine Faszination, die Jobs auf mich ausstrahlte. Eine Mischung aus nettem Onkel, Visionär, aber auch knallhartem Geschäftsmann. Nun mögen einige sagen, dass unsere Geschichte weitaus bedeutendere Revolutionäre und Visionäre hervor brachte. Vielleicht war Steve Jobs auch mehr Innovator und jemand, der das Handwerk des subtilen Marketings einfach in Perfektion verstand und beherrschte. Unterm Strich eint jedoch alle Visionäre, dass sie die Welt vorausschauend sehen, ja, fast schon mit einer Art prophetischem Weitblick. Dies, und, seine Vision auch greifbar zu machen und zu verkaufen, war Steve Jobs. „Apple wird in den kommenden zehn Jahren zu den zehn erfolgreichsten Unternehmen im Internet gehören“, prahlte Jobs im Jahr 2000. Auch diesbezüglich sollte er Recht behalten.

Er krempelte alleine in den vergangenen zehn Jahren gleich mehrere Branchen um, platzierte seinen iPod 2001 sofort als den neuen Inbegriff des MP3-Players, brachte mit dem ersten iPhone im Jahr 2007 die Mobilfunkbranche in den Umbruch und positionierte mit dem iPad 2010 ein Produkt, das es zwar in anderen Formen schon zuvor auf dem Markt gab, man aber – zumindest verkaufte es uns Steve so – den Sinn und Zweck eines Tablet-Computers bisher offenbar einfach nicht gesehen hatte.

Mit diesen Erfolgen verbunden, sind natürlich auch viele Niederlagen – meist aber auf Seiten der Konkurrenz: Einstige Handy-Platzhirsche wie Nokia oder Motorola wurden mit dem iPhone schnell entthront. Viel zu umständlich und nichtskönnend schienen die Mobiltelefone, nachdem Steve Jobs das erste iPhone mit dem neuartigen Touchscreen in die Kameras der Weltpresse hielt. Er machte Smartphones überhaupt erst salonfähig. Vielmehr noch: Sie wurden zum Lifestyle-Produkt und eine ganze Industrie sattelte brav um, um Schritt halten zu können.

Wenn Apple in der Vergangenheit zu seinen legendären Keynotes lud, spotteten viele, dass Jobs seine Jünger wieder zum Gottesdienst versammele. Ja, man könnte es damit vergleichen. Er hatte etwas Magisches. Etwas, was tausende Menschen weltweit, und hier schließe ich mich nicht aus, dazu brachte, sich für ein neues Mobiltelefon in eine hundert Meter lange Warteschlange vor einem der gläsernen Apple Stores einzureihen. Dieses Gefühl, der Erste sein zu dürfen, der die neueste technische Errungenschaft in Händen hält – kein anderer beherrschte diese Beeinflussung besser als Steve Jobs.

Gestern noch beklagten zahlreiche Vertreter der Presse, wie wenig Innovation in dem von Apple-Chef Tim Cook vorgestellten neuen iPhone 4S steckt. Heute werden die Errungenschaften von Jobs und seinen Mitarbeitern in den Himmel gelobt. Denn auch das gilt für Innovationen und Visionen: das Rad kann nicht alle Tage neu erfunden werden.

„Sich daran zu erinnern, dass man sterben wird, ist der beste Weg, den ich kenne, um nicht den Fehler zu machen, zu glauben, man hätte etwas zu verlieren“, sagte Jobs 2005 in einer Rede zu Absolventen der Stanford University in Kalifornien. „Du bist bereits nackt. Es gibt keinen Grund, nicht deinem Herzen zu folgen. Und doch ist der Tod das Schicksal, das wir alle teilen. Niemand ist ihm jemals entkommen. Und so soll es sein, weil der Tod höchstwahrscheinlich die beste Erfindung des Lebens ist. Er ist der Motor des Wandels. Er räumt das Alte weg, um Platz zu machen für das Neue.“

Der Spirit von Steve Jobs hat unsere Zeit geprägt. Vieles, was für uns bereits völlig alltäglich erscheint, trägt seine Handschrift – weit über seinen Tod hinaus. Er hat sich durch seine Weitsicht unsterblich gemacht. Ein Tweet von @Schreiblockade, der gestern, unmittelbar nach der Nachricht über den Todesfall, in meiner Twitter-Timeline aufschlug, beschreibt es treffend: „Vor 5 Jahren hätte ich aus dem Radio von seinem Tod erfahren. Heute tut dies eine Push Notification auf einem Telefon. Danke, Steve Jobs.“

Logo: Apple

 
Kategorie:

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>