Verständnis auf dem Abstellgleis

Kommentar zum Bahnstreik veröffentlicht am 18. Oktober 2010 auf newsecho.de

Die Warnstreiks sind nicht von langer Dauer, dennoch wird sich ein Großteil der Betroffenen heute am Gleis gesagt haben: „Was können wir dafür?“ Natürlich kann der Pendler gar nichts für den Tarifkonflikt, der zwischen Bahn und Gewerkschaften herrscht.

Branchentarifvertrag, Beschäftigungssicherung, Einkommen – darum geht es. Und die Schwierigkeiten beginnen schon beim ersten Punkt. Den Gewerkschaften Transnet und GDBA geht es darum, einheitliche Standards für Tarife zu formulieren. Und zwar für alle regionalen Bahnunternehmen. So will man einen Konkurrenzkampf zwischen den sechs privaten Anbietern Abellio, Arriva, Benex, Hessische Landesbahn, Keolis und Veolia Verkehr sowie der Deutschen Bahn, der auf Kosten der Mitarbeiter ausgetragen wird, stoppen.

Als frustrierter Pendler oder Reisender, der am Bahnsteig auf seinen Zug länger warten oder wegen eines kompletten Ausfalls gar seine Reise umplanen muss, wird man für den komplexen Konflikt, an dem nicht weniger als sieben unterschiedliche Konzerne beteiligt sind, jedoch wenig Verständnis aufbringen können.
Es geht um mehr als die ewig bekannte Forderung nach mehr Geld, das die Gegenseite nicht zu zahlen bereit ist. Negativschlagzeilen wie die gefährlichen Zugachsen oder den wohltemperierten ICEs im Sommer tragen ihren Teil dazu bei, dass die Geduld der regelmäßigen Bahnfahrer langsam erschöpft ist.

Für die Bahner besteht durch den Konkurrenzkampf zwischen Privaten und dem ehemaligen Staatsunternehmen jedoch die akute Gefahr, in einer Lohnspirale nach unten abzudriften. Gewinner gibt es dabei keine. Weitreichender gedacht, wären die Folgen in Form von sinkender Qualität und Sicherheit letztendlich auch für die Kunden mit wenig Verständnis für den Warnstreik spürbar.

Ein Mittelweg muss gefunden werden, der den Konkurrenten der Bahn einen angemessenen Mindestlohn verspricht, diese jedoch im gleichen Zug akzeptieren müssen, nicht auf einem Level mit dem lange durch Subventionen unterstützten Staatsunternehmen Bahn liegen zu können.

Es kann nur im Interesse von Bahnchef Rüdiger Grube liegen, den Tarifkonflikt schnellstens zu schlichten. Schließlich steht schon im Dezember eine angekündigte Erhöhung der Preise im Regionalverkehr der Bahn an. Eine wochenlang ausufernde Streiksituation wäre also nicht gerade wünschenswert. Dennoch: Viel Zuspruch und Verständnis seitens der ohnehin bereits verärgerten Kundschaft darf sich die Deutsche Bahn in diesen Tagen nicht erwarten.

Foto: Flickr/Iroas

 

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