Morgen beende ich eine langjährige Beziehung. Wir durchfuhren in den vergangenen viereinhalb Jahren Höhen und Tiefen und konnten uns stets blind aufeinander verlassen. Doch nun muss Platz für etwas Neues gemacht werden. Morgen trenne ich mich von meinem treuen VW Lupo. Fast schon traurig blickt er mich mit seinen runden Scheinwerfern an.
„Kein Grund, sentimental zu werden“, sagen die einen. Und natürlich haben sie damit recht. Hier muss man sich von keiner geliebten Person verabschieden, sondern lediglich von einem Gegenstand. Dennoch muss ich gestehen, dass sich ein wenig Melancholie breit macht, wenn ich den kleinen VW morgen beim Händler zurücklassen werde.
Ein Auto begleitet einen über Jahre hinweg und damit auch durch mehrere Lebensabschnitte. Erinnerungen an schöne und auch schlechte Zeiten hängen quasi im Innenraum, etliche Gespräche haben sich förmlich im Stoffhimmel festgesetzt. Mal wurde im Auto geweint, mal diskutiert, mal gestritten, mal geschwiegen, mal geküsst. Mal kurvte man einfach mitten in der Nacht durch die leere Innenstadt, hielt an und zugleich inne oder konnte auf sonnigen, langen Autobahnfahrten und laut aufgedrehter Musik seine Gedanken schweifen lassen. Der kleine Wolfsburger brachte mich in diesen viereinhalb Jahren zu Vorstellungsgesprächen, zu Castings, zu Dates, zur Freundin, zur Arbeit, in den Urlaub und besuchte mit mir zusammen all die Orte und Menschen, die mir wichtig sind.
Ja, sich von seinem Auto zu trennen bedeutet auch, sich ein Stück von der Vergangenheit zu verabschieden. Etwas hinter sich zu lassen. Doch gleichzeitig liegt etwas Neues vor einem, was den Abschiedsschmerz etwas lindert. Doch ich bin guter Dinge, dass der A1 seine Aufgabe als Tröster und künftiger Gefährte ebenso toll erledigen wird.
Meine Hoffnung ruht nun auf einem würdigen, dritten Besitzer, der ebenso viel Spaß an Dir hat, wie ich es hatte, kleiner Lupo. Du warst ein tolles und stets zuverlässiges erstes Auto. Und an sein erstes Mal – in diesem Fall das Autofahren – erinnert man sich bekanntlich sein Leben lang zurück.




